| DRESDEN. Im weiten Bogen der Elbe liegend, grüßt die einstige kurfürstliche und königliche Resi- denz- und Hauptstadt Sachsens und heutige Landes- hauptstadt des Freistaates Sachsen ihre Besucher mit dem prachtvollen Panorama ihrer überwiegend barocken Bauten. Wegen seines Reichtums an Kunstschätzen und Prachtbauten wird Dresden auch „Elbflorenz" genannt. Die Anlage der Stadt, wie sie noch heute besteht, verdanken wir dem Willen und Wirken Friedrich August I., August der Starke genannt, Kurfürst von Sachsen und König von Polen und seinem Sohn Friedrich August II., deren beider Regierungszeit von 1694-1763 auch das „Augusteische Zeitalter" genannt wird. In jener Zeit entstanden die be- deutendsten Bauten der Stadt, wie der Zwinger, die Hofkirche, die Frauenkirche, das Taschenbergpalais und viele andere. Auch die wertvollen und umfangrei- chen Kunstsammlungen wurden von diesen beiden Königen und Kurfürsten intensiv betrieben, wobei der prachtliebende Barockmensch Friedrich August I., der Starke. Skulpturen, Porzellan und Pretiosen sammelte, die im Grünen Gewölbe aufbewahrt wurden. Das Grüne Gewölbe befand sich in einem Untergeschoß des Residenzschlosses und war als Kunstkammer schon 1680 berühmt. Erst seit August dem Starken wurde es jedoch zur bedeutendsten Sammlung dieser Art in Europa. Meisterwerke aus Silber und Gold. Bernstein, Elfenbein, Bergkristall und Steinschnitt sind dort zu bewundern. Zu den be- sten und berühmtesten Arbeiten zählen die Werke des Hofjuweliers Dinglinger und dessen Brüder, wie das „goldene Kaffeezeug" und der „Hofstaat zu Delhi", mit 137 Figuren und von 5000 Edelsteinen geschmückt. Friedrich August II. überließ die Regie- rungsgeschäfte fast 30 Jahre lang seinem korrupten und allmächtigen Premierminister, Graf Brühl, der sich maßlos am Staat bereicherte und seinen König von jeglichen Entscheidungen fernhielt. Dieser wid- mete sich mit großem Sachverstand dem Erwerb von Gemälden. Seine Beauftragten sahen sich in ganz Europa um und kauften bisweilen ganze Sammlungen auf. Die Sixtinische Madonna, 1513 von Raffael gemalt, sollte zum berühmtesten Werk der Gemäldegalerie werden. Diese Sammlungen machten Dresden zu der Kunststadt von europäi- schem Rang, die sie dank der durch Auslagerung ge- retteten Kunstschätze im 2. Weltkrieg auch heute noch ist. Doch bevor Sie sich auf den Rundgang begeben, um all' die Herrlichkeiten zu bewundern, die diese Stadt zu bieten hat, lassen Sie uns einen kurzen Blick auf deren Entstehungsgeschichte werfen. Nachdem in der Zeit der Völkerwanderung die in dieser Gegend ansässigen Germanen das Land verlassen hatten, | siedelten sich im 6. Jh. aus dem Osten zuwandernde Slawen in diesem hochwasserfreien Teil des Elbtales an. Aus dieser Zeit stammt auch der Stadtname; - Dresden ist abgeleitet von „drezdzane", was „Ort der Sumpfwaldleute" bedeutet. Während der deutschen Ausdehnung nach Osten im 10. Jh. wurde der Burg- berg von Meißen Sitz eines vom deutschen König Heinrich I. eingesetzten Markgrafen, ab 968 durch Kaiser Otto I., den Großen, auch Sitz des Bistums Meißen. In dem Gau Nisan (niedrig gelegenes Land) wurden Stützpunkte angelegt. So entstand auch Dresden, wobei es sich wohl um den 1004 genannten Ort Nisani handeln mag. Auf dem Taschenberg stand eine markgräfliche Burg zum Schutz des strategisch wichtigen Eibüber- ganges. Zunächst regierten von dort stellvertretend für die Markgrafen die Burggrafen von Dohna, die jedoch später verdrängt wurden. Das älteste Dorf lag wohl in der Gegend des Neustädter Marktes, aus ihm entstand Altendresden, das erst 1549 endgültig zu einer Gemeinde mit Dresden vereinigt wurde. Heinrich der Erlauchte machte als erster Markgraf 1274 Dresden zu seiner ständigen Residenz. Urkundlich wird Dresden erstmals 1206 als Ort und 1216 als „civitas", also als Stadt, genannt. Am Altmarkt, wo noch heute die im frühen 12. Jh. ursprünglich als Nikolaikirche geweihte Kreuzkirche steht, lag das erste städtische Zentrum. Im Jahre 1089 hatte Heinrich von Eilenburg vom deutschen König die Markgrafenwürde erhalten. Er stammte aus dem Hause Wettin, das bis 1918, ab 1806 in den königlichen Rang erhoben, die Geschicke Sachsens lenken sollte. 1423 erhielt Markgraf Friedrich IV., der Streitbare, die Kurwürde. Die Brüder Ernst und Albrecht teilten 1485 ihr Land. Ernst und die nach ihm genannte Linie der Ernestiner regierten von Wittenberg aus ihr Herzog- tum Sachsen-Wittenberg und Thüringen. Die Kurfürstenwürde blieb ihnen ebenfalls erhalten. Sie wurden zu Beschützern Martin Luthers und Förde- rern der Reformation. Besonders bekannt wurde Kurfürst Friedrich der Weise, der gemeinsam mit seinem Bruder Johann dem Beständigen regierte, der in Weimar residierte. Er war der erste Fürst aus dem Hause der Wettiner, der sich offen zum Prote- stantismus bekannte. Albrecht verlegte die Residenz der nach ihm benannten Albertinischen Linie nach Dresden, das von nun an einen deutlichen Auf- schwung nahm. 1547 wurde der Albertiner Herzog Moritz vom Kaiser mit dem Kur fürstentitel bedacht, die ernestinische Linie in Wittenberg verlor ihn hingegen. Nun war Dresden auch Hauptstadt des Kurfürstentums Sachsen. Das Schloß auf dem Taschenberg wurde zu einer prächtigen Renais- sanceanlage mit vier Flügeln ausgebaut. |