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Afrika
Art déco in der Flußpferdkolonie
Quelle: FAZ/
Oase der Entspannung: Wohnen in Nordafrika

21. August 2004 Ist es Wirklichkeit, ist es Phantasie, wenn auf dem Weg zur Ngorongoro Crater Lodge mit ihren Lüstern und Teppichen die Augen der Büffel im Scheinwerferlicht aufglühen, als seien sie Teil der Illumination? Ist es Wirklichkeit oder Illusion, wenn die trockene Steppe der Serengeti mit blauen Bergen und blinkenden Seen blendet, die es gar nicht gibt? Am Horizont tausendfach die Silhouetten von Gnus, ruhig dahinziehende Tiere, die an Wasserlöchern aus Luftspiegelungen weiden, ein Treck ohne Anfang und ohne Ende, der sich auf der Suche nach Grün irgendwo zwischen Himmel und Erde im Ungewissen verliert. Aber dann springen lebendige Tiere aus der Fata Morgana, lautlos fast die graziösen Thompson-Gazellen, im Stakkato eiliger Hufe die Zebras: kein Traumbild, solange der Staub über der Ebene steht.

Afrika hat Platz für viele Träume. Seine Romantik liegt in unserer Phantasie. Dort liegt noch immer der alte Eroberertraum vergraben, der die Wildnis seit ihrer Entdeckung attraktiv zu möblieren sucht. Das Tudorhaus inmitten von Kaffeeplantagen mit allem, vom gehobenen britischen Lebensstil gebotenen Kristall, Silber und Leinen auf dem Mahagonitisch; die asiatische Pagode unter Urwaldbäumen; das Art-déco-Haus inmitten einer grunzenden Flußpferdkolonie; schottisch steht der Country Club mit seinen Fensterbögen aus Granit vor dem Gipfel des Mount Kenia. All dies sind Beweisstücke für die wunderbaren Folgen jener Unbekümmertheit, die gerade das Nichtkompatible zusammenbringt und damit etwas Neues schafft.

Tausendundeine Nacht

Was die Fotografin Deidi von Schaewen bei ihren fünfzehn Reisen an wundersamen Palästen, Häusern und Hütten, Lodges und Hotels zwischen Kapstadt und Tunis fand, geriet ihr zu einem rauschhaften Bilderbogen menschlicher Phantasie, dargestellt in glühenden Farben und dramatischen Formen. Den Kontrapunkt setzen Beispiele minimalistischer Architektur, von der Blechhütte bis zum kühlen Design moderner Architektur. Allen gemeinsam aber ist, unbewußt oder als Ergebnis raffinierter Gestaltungskunst, das Entscheidende: Stil. Wir sehen opulente Mosaiken, üppige Kissen- und Teppichlandschaften in kühnen Rottönen, einen Palast in Nigeria mit himmelhohen, bemalten Decken, Township-Wohnungen, deren Wände kunterbunt beklebt sind mit den Verpackungen von Seife oder Schokolade, und den verwunschenen Palast zweier italienischer Schwestern in Marrakesch, von dem der Modezar Gianfranco Ferré, ein häufiger Gast, als der "modernen Version einer Residenz aus Tausendundeiner Nacht" schwärmt.

Beherzter noch greifen die Schöpfer eines urig aussehenden, aber üppigen Camps am Okavango-Delta in Botswana nach den Requisiten des Planeten. Sie plazieren in die knorrige Holzkonstruktion neben Hocker aus Ghana und Kopfstützen aus Simbabwe Möbel aus Indonesien. Vor der Tür des mit Designerwaschbecken ausstaffierten Vorpostens des Luxus aber bleibt immer Afrika - großartig und grausam wie je.


"Inside Africa" von Deidi von Schaewen. Taschen Verlag, Köln 2003, 912 Seiten in zwei Bänden. Dreisprachige Ausgabe. Gebunden, 99,99 Euro